Geschichte der Baumschulbahn

Im Jahr 1879 wurde in Schinznach-Dorf die Landgärtnerei Zulauf gegründet. Sie ent-wickelte sich mit der Zeit zur Baumschule, deren Produktionsfläche immer grösser wurde. Um die umfangreichen Transportaufgaben leichter bewältigen zu können, wurde im Jahr 1928 eine Feldbahn mit 600 mm Spurweite aufgebaut. Es gab aber keine Lokomotiven. Die Wagen für den Transport von Blumen, Erde, Torf, Mist usw. wurden mit Muskelkraft bewegt.
 Mit dem Aufkommen der Motorisierung in den fünfziger Jahren verdrängten Traktoren und Kleintransporter den Feldbahnbetrieb zunehmend. Nach und nach wurden die meisten Geleise wieder entfernt, und die Bahn geriet bald in Vergessenheit.
 Als es darum ging, für das 100-Jahr-Jubiläum der Baumschule etwas Besonderes zu veranstalten, erinnerte man sich der alten Feldbahn. Es entstand der Plan, sie wieder auferstehen zu lassen und mit Lokomotiven zu betreiben. In der Schweiz waren Schienen und Weichen, aber keine geeigneten Fahrzeuge mehr in dieser Spurweite aufzutreiben. Folglich musste im Ausland Umschau gehalten werden.
 Das Resultat der Bemühungen war der Erwerb einer betriebsfähigen Dampflokomotive (Taxus) zusammen mit einem grösseren Posten Güterwagen von der soeben eingestellten Muskauer Waldbahn in der DDR. Aus der Bundesrepublik Deutschland kamen eine zweite Dampflok (Pinus) von einem Kieswerk bei Schleswig und zwei Dieselloks (Azalea/Paeonia) von einer Erzgrube bei Giessen nach Schinznach.
 So begann 1976 der Wiederaufbau der nun "Schinznacher Baumschulbahn" genannten Anlage. Für den Betrieb und Unterhalt wurden freiwillige Helfer gesucht, die am 13. April 1978 erstmals Publikumsfahrten durch das weitläufige Areal der Baumschule durchführten. Die Dampfzüge fanden so guten Anklang, dass sie sogleich zu einer dauerhaften Attraktion wurden. Noch im selben Jahr traf eine von den Polnischen Staatsbahnen stammende Dampflok (Sequoia) mit Schlepptender ein, so dass zum 100-Jahr-Jubiläum der Baumschule im Sommer 1979 sogar mit drei Dampfzügen gefahren werden konnte.
 1980 schlossen sich die freiwilligen Helfer zusammen und gründeten den "Verein Schinznacher Baumschulbahn". Neben dem Unterhalt der Fahrzeuge wurden für den Betrieb Reglemente erstellt sowie die Mitglieder für die verschiedenen Funktionen ausgebildet und geprüft. Wegen der starken Gefälle der Strecke wurde das Rollmaterial mit der automatischen Druckluftbremse (System Drolshammer) der Vollbahnen ausgerüstet. Dem Verein, der gegenwärtig rund 30 Aktiv- und 150 Passivmitglieder zählt, obliegt der Betrieb und Unterhalt der Dampfzüge, und die Baumschule ist für die Gleisanlage und die Infrastruktur zuständig.
 Die in den ersten Jahren herschende "Mangelwirtschaft" konnte sich dank dem unermüdlichen Einsatz zahlreicher Vereinsmitglieder und der Werkstätte der Baumschule zu einem gut funktionierenden Unternehmen entwickeln. Das ständig wachsende Selbstbewussein des Vereins zeigte schon bald ein erstes Ergebnis. Im Frühjahr 1986 erreichte eine "Garratt" der SAR Schinznach-Dorf. Mit tatkräftiger Hilfe der Baumschule konnte eine dieser "Königinnen der Dampflokomotiven" erworben werden. Dieser Anfall von Grössenwahn bescherte der Baumschulbahn den bisherigen grössten Erfolg. Am 16.Mai 1998 konnte in Anwesenheit der südafrikanischen Botschafterin in der Schweiz diese Lokomotive auf den Namen "Drakensberg" getauft werden und dem Betrieb übergeben werden. Ein Jahr später erfolgte der nächste Höhepunkt, die feierliche in Betriebnahme der lange Zeit in Turgi als Denkmal aufgestellten "Molly" Die von der ursprünglichen Spurweite 750mm umgespurte Lokomotive bestreitet seither ein grossteil der Leistungen. Daneben haben noch weitere Lokomotiven den Weg nach Schinznach gefunden. 1992 wurde die mit abstand gefälligste Lok nach Schinznach gebracht. Die vom Oswald Steam, mustergültig aufgearbeitete Dampflokomotive "Emma" wurde von einer Privatperson bei der Baumschulbahn untergestellt. Inzwischen wurde die Lok vom Verein übernommen. Wegen der fehlenden Luftbremse und der bescheidenen Leistung wird "Emma" nur an Tagen mit Mehrzugbetrieb eingesetzt. Dem Kondukteur obliegt die Pflicht die angekuppelten Wagen mit der Handbremse zu bremsen. 1996 fand die Lokomotive "Evi-1" ihre letzte Ruhestätte bei uns. Inzwischen wurde sie in "Lukas" unbenannt und wartet auf ihre Wiederauferstehung. Daneben steht eine weitere aus Südafrika stammende Lokomotive. Diese von uns despektierlich als "Blätterteig" bezeichnete Lokomotive wird vielleicht in ferner Zukunft ihre Runden durch die Baumschule drehen. Die Inbetriebsetzung dieser Dampflokomotive würde sicher ein neuer Meilenstein in der Geschichte der Baumschulbahn bedeuten.
 Dem aufmerksamen Besucher bleiben sicher auch weitere Veränderungen nicht verborgen. In den letzten Jahren wurden von Eisenbahn Sappeuren und der Zulauf AG mehrere neue Streckenabschnitte gebaut. Diese Neubauten sind Zeichen in Richtung des geplanten Endausbaus der Baumschulbahn. In naher Zukunft oder auch etwas später wir die "Garratt" auf einem Rundkurs durch die Baumschule dampfen.
 In den vergangen Jahren konnten wir unsere Leistungsfähigkeit an verschiedenen Orten ausserhalb von Schinznach aufzeigen. Einer dieser Highlight der besonderen Art war sicher der Besuch zusammen mit der "Molly" bei der Museumsbahn Froissy-Dompiere in Frankreich oder ebenfalls mit dieser Lokomotive das Dorffest in Turgi wo die Turgemer ihre Lokomotive für ein Wochenende zurückbekamen. Begeben wir uns zusammen mit der Baumschule in die nächsten 25 Jahre. Gemeinsam werden wir diese Erfolgsgeschichte weiter schreiben.
 Die symbiotische Zusammenarbeit zwischen der Baumschule, die als Besitzerin der Bahnanlage den finanziellen Rückhalt gewährt und dem Verein, der seine unentgeltliche Arbeitskraft und die Erarbeitung des Dampflok-Know-Hows einbringt, ermöglichte eine zielstrebige Weiterentwicklung des Unternehmens das nun schon mehr als 20 Jahre erfolgreich die SchBB als Publikumsattraktion Betreibt.